Ich hatte schon die Vorlage für eine Mehrfach-Rezension geöffnet und wollte gerade schauen ob ich die Cover vom Verlag übernehmen könnte… als ich mich gefragt habe wofür ich das tue…

Diese beiden Bücher (also After Passion & After Truth) haben mich so viele Nerven gekostet, dass es an Masochismus grenzen würde, wenn ich hier jetzt noch eine perfekte Rezension formatiere… Außerdem sind die Cover und Klappentexte für das was ich sagen will absolut nicht von Bedeutung. Und gerne verzichte ich auch auf irgendeine Challenge-Anmerkung… 

Auf der Suche nach was Einfachem stieß ich eines Nachts in der Onleihe auf diese Reihe, die mir natürlich vorher schon mal begegnet war. Ich wollte wissen was an diesem Hype dran ist und hielt es für möglich, dass ich zumindest kurzweilig unterhalten werden könnte. Und das tat es auch. Ich las „After Passion“ in einer Nacht und schlief erst sehr, sehr früh am Tag. Es war schon hell. Es war unterhaltsam, obwohl ich immer mal wieder schon den Kopf schütteln musste. Das Ende fand ich schlecht. Die Wette einfach nur dämlich. 700 Seiten halbwegs interessantes Buch, in wenigen Seiten zerstört. Und trotzdem setzte ich direkt die Vormerkung für „After Truth“ in der Onleihe und war fast ein wenig enttäuscht, dass es mehrere Tage dauern sollte.

Ich bin ein Monk. Ich muss Dinge vervollständigen. Ich muss wissen wie es weitergeht. Bin nahezu zwanghaft neugierig und wollte es einfach wissen… Was passiert jetzt wo sie gegangen ist? Wo sie sich von Zed nach Hause fahren lässt? Bemerkt sie vllt. doch noch, dass Hardin ein Idiot ist und orientiert sich um? ^^

Natürlich tut sie das nicht. In „After Truth“ kommt erstmals Hardin selbst zu Wort. Und ehrlich: Das macht ihn nicht sympathischer.

„Noch nie hatte ich jemanden richtig gern, hatte nie jemanden, der nur mir gehört, mein ganzes Leben nicht.“ (Ebook, S.9)

„Sie kann nach Hause kommen, wo sie hingehört … zu mir.“, widerspricht Hardin. (Ebook, S. 16)

„Außer Tessa natürlich, nach meinem anständigen Verhalten sollte da allerdings mehr als ein Kuss drin sein.“ (Ebook, S. 299)

„Er war scharf auf sie, seit er sie das erste Mal gesehen hat, genau wie ich. Mit dem Unterschied, dass ich sie ficken wollte und er sie tatsächlich mochte. Aber ich habe gewonnen; sie hat sich für mich entschieden.“ (Ebook, S. 334)

Sympathisch nicht wahr? Außerdem isoliert er Tessa von der Umwelt, spricht immer wieder von „besitzen“, lügt, betrügt, verheimlicht. Er schreibt ihr vor was sie zu tun und zu lassen hat. Beschließt für sie mit, wo sie leben will und nimmt ihr mehr und mehr ihren eigenen Willen, weil sie ja nicht ohne ihn leben kann. Nicht zu vergessen, dass er jeden zusammenschlägt der sie auch nur anschaut, oder nett findet. (Ein Beispiel kurz bevor ich aufgehört habe zu lesen: Sie gehen gemeinsam auf eine Party, er lässt sie alleine mitten im Raum mehrere Stunden stehen und ist hinterher angepisst, dass sie mit einem Kerl redet.) Manchmal reißt er sich auch zusammen. Dann ist er sehr stolz auf sich und sein Verhalten, dass eigentlich unter „normales Sozialverhalten“ laufen sollte.

Und sie? Sie erklärt sein Verhalten mit seiner schwierigen Vergangenheit. Hat Verständnis, ist erschüttert, rennt weg, kommt wieder, vögelt mit ihm, wimmert von einem Orgasmus zum nächsten, bevor sie wieder weg rennt, wieder kommt, etc. Im Ernst jetzt? Keine Vergangenheit, kein Trauma dieser Welt rechtfertigt es ein so grundlegendes, egoistisches Arschloch zu sein.

Jetzt könnte man sagen: Dann hör doch einfach auf die Bücher zu lesen: Habe ich getan. In der Mitte von „After Truth“ hat es mir wirklich gereicht. Doch warum rege ich mich dann jetzt noch so auf?

Weil ich erschüttert bin! Erschüttert von diesem Bild einer Liebe und einer Beziehung. Erschüttert von der Darstellung, dass es völlig okay und legitim ist wild um sich zu schlagen und alles zu vermöbeln was es wagt nicht das zu tun was man selbst will. Ich bin entsetzt, dass es absolut konsequenzenlos bleibt, wie Hardin mit ihr umgeht. Bin entsetzt davon, dass die Bücher suggerieren dass es völlig okay ist sich das alles gefallen zu lassen, wenn man denn nur genug liebt.

Für mich ist das von „Geschmackssache“ weit entfernt. Verherrlichung von Gewalt, Kleinreden von Alkoholismus und psychischer Abhängigkeit. Wie kann das so vielen Menschen so gut gefallen?

Jetzt könnte ich mich noch darüber auslassen, dass hier 700 Seiten lang ständig ein und dasselbe Problem recycelt wird. Dass die Streitgründe immer absurder an den Haaren herbei gezogen werden.  Dass es keinen Spaß macht in jedem zweiten Kapitel einen neuen Streit zu lesen und einfach auch vom Stil her langweilig ist… Aber das hier ist ja keine Rezension… sondern mehr ein Aufschrei gepaart mit verständnislosem Kopfschütteln. 

Advertisements