2015-02-25 09.22.32Autor: Graeme Simsion
Titel: Das Rosie-Projekt
Reihe: Rosie #1
Genre: Roman
Seitenzahl: 352 Seiten

Das Buch ist bei Fischer erschienen und kann hier erworben werden.

Cover: Es ist so pink *jaul* Das grenzt schon an Körperverletzung. 😉 Und auch sonst finde ich es relativ nichtssagend. Wenn man es dann liest denkt man sich an der entsprechenden Szene „Ach ja…“, aber sonst? Ich hätte etwas nerdigeres passender gefunden. So finde ich es einfach nur unspektakulär und grell.

Der Klappentext:
Muss pünktlich sein, logisch denken und gern Fahrrad fahren. Wenn Sie rauchen, trinken und an Horoskope glauben, ist Ausfüllen des Fragebogens zwecklos.

Gestatten?
Don Tillman sucht die Frau fürs Leben.
Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Pojekt: mit einem 16seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist.

Inhalt:
Mit 39 wird es langsam Zeit für eine Ehefrau. Selbst wenn man es mit zwischenmenschlichen Beziehungen nicht so hat und alles als Lebenszeitverschwendung ansieht, was nicht effektiv und effizient ist. Also muss ein Fragebogen her der eine Vorauswahl trifft. Nach ein paar kleineren Überarbeitungen mit Hilfe seiner einzigen beiden Freunde geht der Fragebogen online. Es gibt überraschend viele – wenn auch unzureichende – Antworten und irgendwann ergreift Gene (sein einziger Freund) die Gelegenheit und möchte aus den Zusendungen jemanden aussuchen. Das Ergebnis: Rosie. Und die wirft Dons Leben so sehr durcheinander, dass er häufiger Claudia (seine einzige Freundin und Genes Frau) konsultieren muss als ihm lieb ist.

Erster Eindruck:
Schon auf der ersten Seite wird deutlich: Don ist etwas anders konfiguriert. Wie er selbst zu sagen pflegt. Sein Leben läuft nach exakten Plänen (94min zum Badezimmer putzen. VIERUNDNEUNZIG! Genau 94! Nicht 93!) und zwischenmenschliches ist jetzt nicht so ganz seins… und was soll ich sagen? Er ist anstrengend. Sehr. Also nicht unbedingt er, aber der Erzählstil mit ihm als Ich-Erzähler nervt am Anfang doch ziemlich.

Zitat:

„“Dann kochen Sie also jeden Dienstag dasselbe, richtig?“ „Korrekt.“ Ich zählte die acht wichtigsten Vorteile des Standardmahlzeitenmodells auf.“ (S. 73)

„7. Ich besaß umfangreiches Wissen – über Genetik, Computer, Aikido, Karate, Eisenwaren, Schach, Wein, Cocktails, Tanzen, Sexstellungen, gesellschaftliche Regeln und die Wahrscheinlichkeit für eine sechsundfünfzigfache Trefferserie beim Baseball. Ich wusste so viel Mist und wusste dennoch nicht, wie ich mich in Ordnung bringen sollte.“ (S. 332)

Fazit:
Schon vor vielen, vielen Monaten hat meine damalige Betreuerin G. mich gefragt, ob ich das Buch gelesen habe. „Musst du unbedingt machen! Das ist sooo lustig!„. Letztens lag es in der Bibliothek und ich hab endlich mal zugegriffen. Und weil ich  mich jetzt noch ein paar Tage drum drücken musste „Silber – Das zweite Buch der Träume“ zu lesen, hab ich es sogar auch angefangen. (Im Gegensatz zu „Eine handvoll Worte“, welches wohl einfach wieder zurück in die Bib wandert.) Doch zunächst habe ich nicht ganz verstanden wieso G. davon so begeistert war. Ich fand es schnell relativ anstrengend zu lesen, obwohl es natürlich auch ein wenig amüsant war und obwohl ich mich mit meiner handvoll Ticks, Macken oder nennen wir es doch einfach Zwängen, auch wiedergefunden habe. Doch während ich das einerseits halt lustig fand, hab ich mich anderseits auch gefragt, ob ich auch so nervig und anstrengend bin. 😉

Die ersten 50 Seiten zogen sich – obwohl es eine wirklich gute Darstellung von rein logischen Gedankengängen war – ein wenig wie Kaugummi. Und ich war froh als Rosie dann auf der Bildfläche erschien und alles etwas bunter gestaltete. Und vor allem abwechslungsreicher. Mit Rosie lockerte sich der Erzählstil auf, obwohl Don nach wie vor der Erzähler war. Und obwohl es vermutlich schlicht ein Stilmittel war und  so auch im Verlauf des Romans der auftauende Don verdeutlicht werden sollte, hinterlässt es einen leichten Beigeschmack.

Insgesamt ist das Buch – oh Wunder – sehr vorhersehbar. Allein schon weil es eine Fortsetzung gibt die zufällig auch „Rosie“ beinhaltet. 😉 Aber das tut dem Ganzen keinen Abbruch, denn in diesem Fall ist eindeutig der Weg das Ziel. Don ist insgesamt sympathisch und interessant und wenn man den ein oder anderen Asperger-Autisten kennt, dann nickt man auch das ein oder andere Mal zustimmend und versteht ein klein wenig mehr als vorher. Sicher sind hier nahezu alle Charaktere etwas überzeichnet. Manche Handlungen sind ziemlich glatt gebügelt und würden in der Realität so nicht funktionieren. Nicht ohne Konsequenzen. Und ich meine nicht nur die Andeutung von Konsequenzen. Also ja, vieles zielt hier auf eitel Sonnenschein ab. Aber der Weg dahin ist gut gemacht. Diese rein logischen, emotionslosen Gedankengänge von Don sind fantastisch dargestellt.

Das Rosie-Projekt ist kein Buch für jemanden der sich überraschen lassen möchte. Aber es ist sehr gute Unterhaltung, mit einem witzigen, angenehmen Schreibstil und sympathischen Charakteren, die alle ein wenig speziell sind. Und es ist ein Buch mit einer wunderbaren Moral, die ich jetzt gerne erwähnen würde, aber das wäre halt doch irgendwie zu viel gespoilert. Müsst ihr es wohl lesen. 😉

Würde ich es noch mal lesen? Vermutlich nicht. Würde ich mir den Film (den es wohl wirklich geben soll) anschauen? Ja, wahrscheinlich. Freue ich mich auf die Fortsetzung? Jaein. Ich frage mich nämlich ob es eine braucht. Und ob die Geschichte so wie sie ist nicht einfach schön ist und genau das aussagt was sie aussagen soll. Anderseits bin ich nun mal jemand, der auch nicht aufhören kann bevor etwas nicht beendet ist. Also werde ich es wohl lesen. Aber ich habe ein klein wenig Angst, dass eine Fortsetzung dieses Buch zerstören könnte… 

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

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Ich fand es wunderbar, wenn auch nicht überragend und denke dass man es auf jeden Fall gelesen haben sollte. Mir persönlich würde ich es jetzt aber nicht ins Regal stellen.

 

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