2015-02-20 19.27.55Autor: Meike Winnemuth
Titel: Das grosse Los
Reihe: /
Genre: Erfahrungen
Seitenzahl: 336 Seiten

Das Buch ist bei Knaus erschienen und kann hier erworben werden.

Cover: Perfekt! Weitestgehend schwarz/weiß nur Koffer und Titel in knalligem rot und dann auch noch von fast allen Zielen eine Sehenswürdigkeit auf dem Cover. (Die restlichen sind auf der Rückseite ;)) Sonst kein Freund von langen Untertiteln, finde ich hier die Günther-Jauch-Anmerkung völlig in Ordnung. Aber vllt. ist das auch die verklärte Megabegeisterung, die da aus mir spricht. ^^ Was man hier leider nicht sieht: Die Meike auf dem Buchrücken, wie sie strahlend mit ihrem Köfferchen davon stürmt.

Der Klappentext:
Wie ist es, wenn man das Leben führt, von dem alle träumen?

Sie wollte eigentlich bloß finanziell ein bisschen unabhängiger sein. Mehr dürfen, weniger müssen. Deshalb hat Meike Winnemuth bei „Wer wird Millionär?“ mitgemacht. Zu ihrere Verblüffung räumt sie groß ab: 500.000€
Und nun? Einfach weitermachen wie bisher? Sie entscheidet sich, 12 Monate frei zu nehmen und um die Welt zu gondeln. Es wird ein unglaubliches Jahr. Eines, das ihr Leben umkrempelt. Und das Beste: Das viele Geld hätte sie dazu gar nicht gebraucht.

Inhalt:
500.000€ Gewinnen. 12 Städte auf einen Zettel schreiben. 3 Monate später abreisen. Auf der Reise die Ziele noch mal durcheinander werfen. Drüber schreiben. Tolles Buch hinterlassen. Fertig. 😀

Erster Eindruck:
Oh! Eine Karte mit den Reisezielen. \o/
Oh. Nur 19 Seiten für Sydney? /o\
Sind im Schnitt 20 Seiten pro Stadt nicht ein wenig wenig? (Nein, ich bin nicht auf die Idee gekommen zu rechnen wie dick das Buch sonst hätte sein müssen.. *hust*)
Wie jetzt? Briefe? Keine fortlaufende Geschichte? Wie blöd.
Oh? Es gab nen Blog zur Reise? Schade, den hätte ich gerne live mitbekommen.

Aber: Lässt sich gut lesen. 

Fazit:
Die großartigsten Bücher sind am schwersten zu rezensieren. Das fällt mir immer wieder auf und deswegen dauert es da auch irgendwie immer am längsten. Wie soll man denn großartigen Büchern gerecht werden? Wie soll man die denn bewerten ohne in völlig abgehobene Schwärmereien zu verfallen, wenn in einem doch alles nur schreit „Ja! Mehr! Noch mal lesen! Selbst haben! Wieder durchblättern!“ Und dann liegt es da rum und die Eindrücke fangen an zu verblassen und wenn ich die Rezension nicht unbedingt diesen Monat noch raushauen wollen würde, würde es vermutlich ewig da rum liegen. ^^ Na gut, ewig nicht, denn es ist nur aus der Bibliothek (ich hab es mir extra dort bestellt) und muss schon bald wieder zurück.

Aber wie schwärme ich jetzt objektiv ^^ ohne euch zu viel vorwegzunehmen? Vielleicht fange ich damit an, dass ich mich mit dieser 50 jährigen Frau teilweise sehr verbunden gefühlt habe. Nicht nur wegen den kleinen Dingen und Gemeinsamkeiten …

„Ihr wisst ja, ich bin kein großer Frühstücker, mir reicht morgens eine Kanne Tee und eine WLAN-Verbindung.“ (S. 85)

„Ich setzte mich in den Sand und guckte aufs Meer. Das hilft in der Regel immer: Das Meer ist mein Beruhigungsmittel, mein großer Knotenlöser.“ (S. 117)

„Du willst keine Kinder, hast Du bereits entschieden. Okay, bisschen frühreif zwar, aber warum nicht. Ich habe später (denn ich muss ja nicht an alles halten was du so beschließt) immer zu runden Geburtstagen – 30, 35, 40 – nachgeschaut, ob das noch so stimmt. Ja, es stimmte. Wir haben also keine Kinder, Du und ich.“ (S. 199)

… sondern auch wegen den Themen die sie so angeschnitten hat. Bei mir war es nicht das Fernweh, welches in diesem Buch ansprang, sondern der Gedanke dahinter: Was will ich mit meinem Leben anstellen?

„Man findet seinen Platz im Leben, meist wird er einem zugewiesen, und den füllt man dann gefälligst aus, so gut es geht – so war das in Eurer Generation. Meine hingegen lebt mit dem Segen und dem Fluch, dass plötzlich viele grundverschiedene Lebensformen möglich sind, und das sogar in ein und derselben Biographie. Wir dürfen alles. Und wir können uns jederzeit umentscheiden.“ (S. 87)

Und völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung, mag ich ihre Art zu schreiben. Und ihre Formulierungen. Auch wenn der Zusammenhang für mich so gar nicht passt, finde ich Formulierungen wie diese…

„Kennst du das, Anne, wenn das Leben Dir irgendwas mitteilen will, Du es aber nicht so ganz verstehst? Wenn quasi die ganze Zeit die „Sie haben eine Nachricht“-Anzeige blinkt, Du sie aber nicht abhören kannst?“ (S. 102)

… einfach wunderschön. Und das zieht sich durch das gesamte Buch durch. Nicht umsonst ist das Buch mit Markierungen übersät und ich habe das Gefühl es gar nicht mehr abgeben zu wollen. (Muss ich aber leider. Schon nächste Woche.)

Ich liebe die „10 Dinge, die ich in XY gelernt habe“ Abschnitte und ich könnte sie in manchen Städten nahezu vollständig zitieren, weil ich sie so schön toll und wichtig finde. Aber dann würde diese Rezension noch mehr den Rahmen sprengen als eh schon. Also beschränke ich mich ein klein wenig. ^^

„8. Man darf sein Leben nicht damit verschwenden, Erwartungen zu erfüllen. Nicht mal die eigenen. Es ist erstaunlich, wie wenig man wirklich muss, wenn man mal ernsthaft drüber nachdenkt.“ (S. 119)

„9. Man hat jederzeit das Recht, die Regeln, die man selbst aufgestellt hat… 
10. … zu ändern.“ (S. 119)

Ich finde es unglaublich mutig einfach so los zu fliegen. Und ich bin neidisch. Weil ich das niemals so könnte. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich vom Fernweh wirklich fast vollständig verschont geblieben bin. Nahezu keins ihrer Zielstädte hat mich persönlich interessiert. Höchstens London und Kopenhagen würde ich mir selbst ansehen wollen. Wobei ich in London sogar schon war. Bei allem anderen reicht mir der Einblick der Autorin (oder der von Katerwolf, die immer wieder unfassbar schöne Reiseberichte schreibt: Chile, Indien, Wanderritt durch die Puszta, Thailand, Irland, Husky-Safari in Finnland (noch auf dem alten Blog)) Sydney erscheint mir vom Menschenschlag noch am angenehmsten. Der Rest war spannend und interessant und teilweise auch wunderschön, aber Fernweh? Nein. Höchstens einzelne Cafés oder Restaurants würden mich interessieren. Aber auch nicht so sehr, dass ich dafür jetzt ne Weltreise machen müsste. *g*

„4. Immer erhellend: die Dinge mal ganz anders zu sehen. Das Knoblauch-Restaurant „The Stinking Rose“ wirbt mit „Wir würzen unseren Knoblauch mit Essen.“ (S. 140)

Ihr seht schon jetzt: Ich könnte ewig über dieses Buch reden. Und ich bin an dieser Stelle gerade mal auf Seite 151 mit meinen Zitaten. Und sollte jetzt hier vielleicht aufhören, weil es sonst vermutlich niemand mehr liest. Klare Leseempfehlung! Und ich schließe mit den Worten der Autorin (die übrigens viele tolle Projekte hat):

„Aber wenn mir eins klar geworden ist, dann das: Wir denken viel zu oft in Entweder/oder, viel zu selten in „Sowohl/als auch. Man muss nicht alles Alte aufgeben, um etwas Neues ins Leben zu lassen.“ (S. 151)

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

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Kauft es! Oder leiht es euch aus und kauft es danach. Ich habe es trotzdem ich es gelesen habe (oder gerade weil) mit hoher Priorität auf der Wunschliste stehen. (und dabei merkwürdige Rezensionen gelesen, die mich echt verwundern… Ich sollte mir abgewöhnen Kommentare jeder Art zu lesen)

 

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