Autor: Sarah Kuttner 2015-01-31 22.18.06
Titel: Wachstumsschmerz
Reihe: /
Genre: Roman
Seitenzahl: 281 Seiten

Das Buch ist bei Fischer erschienen und kann hier erworben werden.

Cover: Das Cover zu bewerten, finde ich schwierig. Irgendwie ist es so… wenig. Und anderseits sagt es auch aus worum es geht. Es ist ziemlich einfach und schlicht und das ist mir im Endeffekt auch wesentlich lieber als völlig überladen, aber so ganz perfekt finde ich es trotzdem nicht… aber warum nur… 

Der Klappentext:
„Wann ist denn nur alles so kompliziert geworden?“
Luise und Flo sind ein Paar und beschließen, endlich erwachsen zu werden. Sie suchen eine Wohnung, ziehen zusammen, sc
haffen sich ein gemeinsames Bett an und tanzen zu Manfred Krug durch ihre neuen Zimmer. Doch nach kurzer Zeit stehen sie im Flur nebeneinander wie zwei an der Raststätte vergessene Kinder. Luise hat das Gefühl nur Erwachsen zu spielen. Irgendwie ist dieses Leben falsch. Als ob jemand plötzlich alles verwandelt hätte, die Regeln geändert für das Leben ab dreißig oder so.

So berührend wie lustig, ernsthaft und klug erzählt Sarah Kuttner von der heillosen Überforderung durch das längst überfällige Erwachsensein und von der Sehnsucht nach einem eigenen, richtigen Leben.

Inhalt:
Bereits im Prolog wird deutlich: Da ist etwas schief gegangen. Luise kann nicht atmen. Und dann springt die Geschichte nach nur 2 Seiten irgendwo hin und wir lernen Luise und Flo erst mal kennen. Luise und Flo auf Wohnungssuche. Und während sie suchen und endlich? auch finden, verlieren sie sich selbst ein Stück. 

Erster Eindruck:
„Technisch ist es nicht möglich, das Atmen zu vergessen.“ Schon hier, in der zweiten Zeile, weiß ich wieder warum ich Kuttner so gerne lese und freue mich aufs Buch. Ich weiß nicht genau wann ich es schon mal gelesen habe, aber ich erinnere mich, dass ich es gut fand und das ist doch schon mal eine gute Voraussetzung. 

Zitat:
„Ich finde es ein wenig schade, dass mir so dermaßen die Leidenschaft für diesen Sport (oder irgendeinen Sport) fehlt. Und während ich darüber nachdenke, was mich stattdessen im Leben hungrig macht, was mein Synonym für diese Kletterlust ist, merke ich, dass ich nicht hungrig bin. Auch nicht satt. Eher appetitlos.“ (S. 33)

 „Als ich dreißig geworden bin, habt ihr alle gefragt, ob es gruselig wäre, ob es mir Angst machen würde, und ich habe nie verstanden, worauf alle hinauswollten. Als ob sich mein Leben komplett entwerten, umdrehen würde. Und jetzt, zwei Jahre später, fühle ich mich plötzlich total überfordert.“ (S. 87)

Fazit:
Als ich das Buch gestern beendet habe und in mir drin dann aus völlig anderen Gründen so viel Chaos herrschte, dachte ich erst, dass ich diese Rezension nicht schreiben könnte. Was traurig gewesen wäre, denn ich habe das Buch nur für die „1 Jahr – 40 Bücher“-Challenge gelesen, weil ich eine Protagonistin mit L brauchte.  Nein, im Ernst. ich hatte da auch noch ein anderes Buch zur Auswahl, aber irgendwie sprang mich dieses dann doch an, weil ich mich dunkel erinnerte, dass ich Kuttner-Bücher sehr gerne mag. Und trotzdem finde ich es schwer. Weil ich nicht spontan in Begeisterungsstürme ausbrechen könnte, weil es durchaus seine Längen hatte. Weil ich mir manchmal schon dachte „Fass das kürzer… das zieht sich wie Kaugummi… orrrrr mach…. hinne!“

Aber dann bin ich doch wieder sehr bei Luise. Und ich liebe es, dass Frau Kuttner so realistisch ist. Dass es keine rosarote Wolken Welt ist und dass ihre Protagonistin auch nichts übrig hat für eine rosarote Wolken Welt und dass sie dennoch auch romantisch ist. Und dann bin ich ganz nah bei Luise, obwohl diese sogar etwas älter ist als ich und das finde ich wieder sehr wunderbar. Ältere, absolut realistische Protagonisten. Die nicht überzeichnet sind, nicht übertrieben toll und auch nicht übertrieben gemein, fies oder scheiße, sondern einfach normal. Mit Höhen und Tiefen. Guten und schlechten Eigenschaften. Ich bin vom Thema her so weit entfernt von den beiden. Bin nicht in der Situation, dass ich mir mit irgendwem eine Wohnung suchen muss. Führe keine Beziehung und bin trotzdem so nah wie es nur geht beim Thema. Denn ich frage mich auch „Wofür brenne ich?“ und ich habe mich beim Lesen daran erinnert, dass es mich auch beim ersten Mal lesen schon so mitgenommen hat und ich mich auch damals gefragt habe: Wofür brenne ich?

Und ich liebe dieses Buch dafür, dass es so realistisch ist. Dass es so in die Zeit passt und dass es eben so am Boden bleibt. Und trotzdem irgendwie Hoffnung macht. Und dafür, dass es nicht gerade läuft. Dass es vom Prolog in die Vergangenheit springt, wieder in die Gegenwart und in die Vergangenheit, solange bis sich die Zeitstränge treffen und am Ende alles so wird, wie es halt wird.

Trotz der Längen und trotz der ein oder anderen Stelle die ich echt blöd fand gibt es hier die volle Sternenzahl. Für Realismus. Normalität. Tollen Schreibstil. Einen umwerfend passenden Titel. Und weil ich das Buch ohne weiteres auch ein drittes Mal lesen würde.

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

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Ignorieren:

 Ja bitte. Macht das. Gerade wenn ihr Anfang 30 und etwas orientierungslos seid. 

 

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