Autor: Janine Binder2014-10-23 21.59.45
Titel: Seine Toten kann man sich nicht aussuchen
Reihe: /
Genre: Biographie
Seitenzahl: 253 Seiten

Das Buch ist bei Piper erschienen und kann hier erworben werden. Scheinbar ist nur noch das Ebook verfügbar.

Cover: Gefällt mir nicht. Ganz klare Aussage. Gefällt mir einfach gar nicht. Sie sieht unfassbar hart aus, dabei habe ich Bilder von ihr gesehen, die wesentlich freundlicher, hübscher, angenehmer sind. Aber das hätte vermutlich nicht zur eindringlichen Aussage gepasst die hier vermittelt werden sollte. Auch „Eine Polizistin erzählt“ wirkt für mich – pardon – eher wie eine BILD-Zeitungsschlagzeile als wie ein brauchbarer Untertitel/Hinweis. Auch die Farbgestaltung erinnert mich stark an diese Zeitung. 😉 Aber nun gut… 

Der Klappentext:
Eine Polizistin erzählt wie es wirklich ist

Einsatzstichwort „hilflose Person“. Ein dunkles Treppenhaus, leises Wimmern und keine Ahnung, welches Schreckensszenario sich hinter der Wohnungstür verbirgt.

Einsatzstichwort „gefährliche Körperverletzung“. 40 Männer schlagen sich die Köpfe ein. Ausgang ungewiss, nur eins ist klar: unverletzt wird Janine Binder, 30 Jahre, 158cm groß, heute nicht nach Hause gehen.

Geschichten voller Spannung und Dramatik, die einen Blick in die Abgründe unserer Gesellschaft gewähren.

Inhalt:
Janine Binder erzählt aus 13 Jahren Polizeiarbeit. Dabei beginnt sie bei ihrer Entscheidung Polizistin zu werden und lässt uns an mehreren Laufbahnstationen teilhaben. Die Kurzgeschichten sind mit einer Jahreszahl versehen und befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten und Themen der Polizeiarbeit. 

Erster Eindruck:
Es ist überraschend interessant, dafür dass ich eigentlich nur etwas gesucht habe, was man mal so zwischendurch lesen kann, bevor man eine Serie fortsetzt die man noch nicht fertig rezensiert hat. Auch schreibt sie selbst weitaus weniger reißerisch als Cover und Klappentext es vermuten lassen. 

Zitat:

„Das ist übrigens immer so: Wir müssen irgendwo durch, wo es nicht weitergeht, damit wir vorne Platz machen können, damit es dann irgendwann doch wieder weiter geht. Diesen logischen Ablauf scheinen viele Autofahrer jedoch nicht zu begreifen.  Da wird dann für den ersten Streifenwagen zögerlich ein Weg freigemacht, den man dann aber sofort wieder zumacht, sodass der zweite Streifenwagen und die folgende Feuerwehr erneut Probleme haben vorbeizukommen. Was so schwierig darin ist, einfach eine Gasse zu bilden und diese so  lange offen zu lassen, bis es weitergeht, hat sich mir bis heute nicht erschlossen.“ (S. 49/50; Schafe auf der A1)

„“Warum riecht es hier so nach Pizza?“, frag sie, und ich biete ihr grinsend das letzte noch lauwarme Stück aus meiner Schachtel an, weil ich mit jemandem, dem ich helfen kann, weil er mich lässt, sogar meine Pizza teile.
Leider gibt es so viele Blumfelds, so viele Frauen und Männer, die meinen, die Gewalttätigkeiten ihrer Partner, Eltern oder Mitbewohner seien normal, oder sie hätten sie gar durch ihr eigenes Verhalten verdient. So viele Familien, in die wir regelmäßig wegen häuslicher Gewalt gerufen werden und an deren Situation sich trotz all unserer Maßnahmen nichts änder. Wir können nur Hilfestellung bieten. Aus der Situation befreien muss sich jedes Opfer selbst.“ (S. 149, Das muss Liebe sein)

Fazit:
Das Buch habe ich nur gelesen, weil ich etwas Zeit in der Bibliothek totschlagen musste und ich direkt neben dem Biographien-Regal saß. Außerdem hielt ich Kurzgeschichten für ne angenehme Abwechslung und war der Meinung, dass sie mich nicht verwirren können, wenn ich so viele Bücher unrezensiert hier liegen habe. 

Insgesamt kann ich jetzt sagen, dass es nicht die schlechteste Wahl war. Die Geschichten waren allesamt weitgehend interessant geschrieben und die Inhalte haben mich nicht nur einmal wirklich erschüttert, bewegt oder zumindest sehr interessiert.

Da die Autorin kein Blatt vor den Mund nimmt, kann das für sehr zartbesaitete Menschen auch schon mal zu viel sein. Ich fand ihre Art und ihren Stil allerdings ganz gut und ihren Blickwinkel wirklich sehr, sehr interessant. Auch die Vielfalt der Geschichten – von absurd bis tragisch – hat mir wirklich gut gefallen.

Sonst kann man hier jetzt nicht so viel sagen. Bringt ja nix sich über Charaktere auszulassen. 😉 Es war nette Unterhaltung, die jetzt aber weder nachhaltig Eindruck hinterlassen wird, noch mir gefehlt hätte, wenn ich es nicht gelesen hätte. Wirklich gestört hat mich allerdings der reißerische Klappentext und das „unfreundliche“ Cover.

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

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Es ist sicher kein „unbedingt-lesen“ Buch, aber wer – so wie ich – zum Beispiel auch Berufsblogs liest, dem könnte der Blickwinkel gut gefallen. Und vllt. hat ja auch eure Bibliothek das Buch im Regal stehen. 

 

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