Autor: Marc Elsberg2014-06-14 17.43.14
Titel: Zero
Genre: Thriller
Seitenzahl: 478 Seiten

Das Buch ist bei Blanvalet erschienen und kann hier erworben werden. Mein Exemplar wurde mir über BloggdeinBuch zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür.

Cover: Es ist schlicht, aber eindrucksvoll. Solche Cover gefallen mir sehr. Der Titel sticht ins Auge und der unauffällige Untertitel drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Auf den zweiten Blick fällt dann auf, dass der schwarze Hintergrund mit leicht helleren Nullen und Einsen durchzogen ist. Passend zum IT-Thema quasi.

Der Klappentext:
Sie wissen, WER wir sind, WO wir sind – und WAS wir als Nächstes tun werden…

London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meist gesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones gibt es kein Entkommen.

Inhalt:
Nachdem Cynthia Bonsant ein Google Glass – Exemplar von ihrem Chef bekommt – um über ZERO berichten zu können – denkt sie sich nicht viel dabei, diese Brille ihrer Tochter für eine Weile zu überlassen. Doch diese nimmt sie mit zu ihren Freunden und in Folge dessen kommt einer ihrer Freunde bei einer Verfolgungsjagd ums Leben. Eine Jagd, die ohne diesen Minicomputer niemals möglich gewesen wäre. Während die Beteiligten in London erschüttert sind, wird in Amerika eine Maschinerie in Gang gesetzt um einen Skandal zu verhindern. Erst im Laufe der Zeit wird Cynthia klar wie alles zusammenhängt und sie steckt viel tiefer drin, als sie glaubt…

Erster Eindruck nach 2 Kapiteln:
Die Kapitel ziehen sich ewig. Das macht es für mich mühsam zu lesen. Sehr. Dennoch ist es bereits von der ersten Seite an spannend und ich werde es auch mit Begeisterung weiter lesen. Allerdings vermutlich langsamer, weil ich lange Kapitel wirklich anstrengend finde. Ein wenig zu viel Technik ist es mir auch. Ich kann nicht alles verstehen und tendiere dazu die ein oder andere Ausführung zu überspringen. Da es mein erstes Buch von Elsberg ist wusste ich auch nicht was mich erwartet. Der Schreibstil passt so schon…. Nur die Kapitellänge … 😉

Zitat:

„Es kümmert dich einen Scheißdreck, was die über dich wissen oder was sie mit diesem Wissen tun! Aber wehe, es passiert etwas! Dann jammerst du! „Wie konnte das nur geschehen? Warum dürfen die das? Das habe ich nicht gewusst!“ Falsch! Das wolltest du nicht wissen!“ (S. 85)

„“Sagt ausgerechnet jemand, der anerkanntermaßen Schwierigkeiten hat, andere Menschen überhaupt zu verstehen! Entschuldige bitte, dass ich persönlich werden muss. Aber das jemand mit einem psychischen und sozialen Problem die Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens schreibt, ist absurd, findest du nicht?““ (S. 344)

„“Was hältst du davon?“ – „Keine Ahnung. Klingt ziemlich verrückt. Obwohl – hätte mir jemand vor drei Jahren erklärt, dass wir beide mal per Brille quatschen, hätte ich ihn auch für verrückt erklärt.““ (S. 460)

Fazit:
In der vorangestellten Anmerkung macht Elsberg es deutlich: Alle verwendeten Technologien werden tatsächlich verwendet. Nichts davon ist eine Utopie. Das hinterlässt einen natürlich erst mal verstört, wenn man das Buch beendet hat. Es bereitet mir dezente Übelkeit, wenn ich daran denke, was man bei den von mir gesammelten Daten alles so erfährt. Auch vor der Buchlektüre sind mir die vielen – teilweise neu angebrachten – Kameras in den Bahnhöfen und U-Bahnen oder an öffentlichen Orten aufgefallen. Und es missfällt mir. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal entscheide ich mich aktiv dafür, dass es mir egal ist. Manchmal gruselt es mich vor einer Kamera am Bahnhof. Oder im Whirlpool im Saunapark. ^^

Gerade im Zusammenhang mit dem ersten Zitat oben möchte ich noch etwas anbringen: Ich persönlich sammele zum Beispiel Payback-Punkte. Ausgiebig, weil ich daraus massiv Vorteile erziele. Mir ist allerdings absolut bewusst, dass dadurch mein Einkaufsverhalten gespeichert wird und ich auf mich zugeschnittene Werbung bekomme. Das ist der Preis den ich bereit bin dafür zu zahlen, dass ich alle paar Wochen für einen Gutschein einkaufen kann, weil ich genug Punkte gesammelt habe. Das Buch ist sicherlich gut um das Bewusstsein zu schärfen, aber es wäre in meinen Augen falsch, wenn es Angst macht. Einfach nur skeptisch bleiben, hinterfragen, aber niemals alles verteufeln.

Manches im Buch lässt mich aber auch skeptisch zurück. Selbst wenn all diese Technologien existieren und genutzt werden – was ich in keinster Weise anzweifel, weil ich selbst genug Leute kenne die tracken (Plant Nanny ist ja auch nur ein kleines Beispiel… ) – dann sollte doch immer noch irgendwo der gesunde Menschenverstand hinter stehen, oder? Auch als Jugendlicher. Selbst wenn mir eine App 100 Tipps gibt, ich habe immer noch die Entscheidung, ob ich es mache oder nicht. Sofern ich skeptisch bleibe. Und diese Skepsis geht scheinbar fast allen Personen im Buch verloren. Und vermutlich auch in der Gesellschaft generell… Es ist also schwer das dem Buch anzukreiden, aber es hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Was ich dem Buch allerdings ankreiden kann ist die Kapitellänge. Der Buchstruktur ist es geschuldet, dass sie sehr lang sind. Das macht inhaltlich sicher Sinn, ist aber einfach nicht meins. So lange Kapitel lassen mich müde und unaufmerksam werden und erschweren mir den Lesegenuss ungemein.

Ich finde es beeindruckend welche Recherche-Leistung hinter diesem Buch stecken muss. Ich bin begeistert vom Glossar (auch wenn ich es letztendlich nur überflogen habe) und von dem Personenverzeichnis. Letzteres ist auch wirklich nötig, ich habe häufiger den Überblick verloren. Mich begeistern Verweise auf George Orwell (Ich muss 1984 unbedingt noch mal lesen. Das ist über 10 Jahre her…) und an der ein oder anderen Stelle („Gamification“ \o/) muss ich schmunzeln und fühle mich ertappt.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und natürlich war es spannend. Dennoch hat es mich nicht gänzlich mitgerissen. Viele Verhaltens- und Handlungsweisen im Buch konnte ich nicht nachvollziehen. Immer mal wieder war es etwas zu trocken für mich oder zu technisch. Mich wirklich mit jemanden identifizieren konnte ich auch nicht. Ich war nicht traurig drum, als das Buch durch war und fand das Ende jetzt auch nicht gänzlich überzeugend. Es ist ein gutes Buch, aber restlose Begeisterung kann es leider nicht auslösen.

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

Kaufen:
Leihen: 
Ignorieren:

Keine „unbedingt kaufen“ Empfehlung von mir. Das Thema ist selbstverständlich interessant und es regt sicherlich auch zum Nachdenken an. Allerdings ist es – für mich – kein Buch zum 2x lesen, weshalb ein Bibliotheksbesuch durchaus ausreichend sein könnte. (Das werde ich z.B. mit „Blackout“ so handhaben. ;))

 

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