Autor: Sólveig Jónsdóttir 2014-01-31 09.27.23
Titel: Ganze Tage im Café
Reihe: /
Genre: Frauenroman
Seitenzahl: 416 Seiten
Lesegeschwindigkeit: Gehetzt, weil nötig.

Das Buch ist im Insel Verlag erschienen und kann hier erworben werden.

Cover: Unspektakulär. Nichts sagend. Es stört mich jetzt nichts wirklich dran, aber es wäre jetzt auch kein Cover welches mich überzeugen würde dieses Buch unbedingt haben zu wollen. Ist aber bei Frauenromanen meistens so. ^^

Der Klappentext:
Ein Café im coolen Stadtteil 101 Reykjavík, Treffpunkt für vier junge Frauen. So manches ist schiefgelaufen. Das Leben ein Drama. Die Männer eine Katastrophe. Auf den Herzschmerz aber folgt die Einsicht, dass es Wichtigeres gibt als den Traum von der großen Liebe.

Scharfsinnig, witzig, clever – der rasante Roman der isländischen Bestsellerautorin Sólveig Jónsdóttir.

Erster Eindruck nach 50 Seiten:
Bis Seite 50 lernen wir quasi nur Hervör kennen und ein ganz klein wenig Mía. Hervör ist ganz angenehm, aber nicht sonderlich herausragend. Mia nervt von der ersten Seite an. An diesem Punkt trägt mich massiv die Neugier und ich mag die dezente Verknüpfung zwischen den beiden Mädchen.

Inhalt:
Diesmal schaffe ich es wohl nicht ganz spoilerfrei. Ich wüsste aber auch nicht wie ich das hier machen soll.

Worum geht es… nun ja. Nicht um das was auf dem Klappentext steht. Das Café ist mehr Randerscheinung als Treffpunkt, die Verbindungen allenfalls um drei Ecken. Ja, das Leben ist ein Drama. Ja Männer sind eine Katastrophe. Aber es dreht sich das ganze Buch um Männer. Was für ein Witz ist es also das nicht als wichtigstes anzusehen? 

Die Mädchen sind recht unterschiedlich, aber alle irgendwie gestrandet. Die eine in ihrer Ehe, die andere in ihrem Job im Café. Die nächste in ihrer Trauer gefangen. Und die letzte steht sowohl beruflich als auch Privat vor einem Scherbenhaufen. Wobei streng genommen tun sie das wohl alle… irgendwie. 

Jedes Mädchen arbeitet hart an einer Trennung. Mal Beziehung, mal Trauer. Und bei jedem ist irgendwo schon ein Ritter in weißer Rüstung im Hintergrund, der aber natürlich nicht endgültig zum Zuge kommen kann, weil um die Liebe dreht es sich ja nicht. Sorry. Ich bin wirklich, wirklich genervt. 

Zitat:
„Doch das änderte nichts daran, dass es immer traurig war, wenn etwas zu Ende ging. Besonders etwas, von dem man die ganze Zeit wusste, dass es nicht von Dauer sein würde. Das galt für eine Packung Kekse genauso wie für irgendwelche nicht näher definierten Arten von Beziehungen zwischen zwei Menschen.“ (S. 164 , Hervör)

Fazit:
Ich hatte SO viel mehr erwartet. Und nicht nur mehr, sondern vor allem auch was anderes. Der Klappentext ist in meinen Augen irreführend. Es gaukelt vor, dass das Café zentraler Punkt wäre und dass es darum ginge, dass sie glücklich Single sein wollen. Das ganze Buch über dreht es sich aber um Männer. Neue Beziehungsversuche, die am Ende nicht klappen, weil wichtigeres ansteht, und das Knabbern an den alten Sachen.

Und das Café? Nun ja. Man hätte auch einen Supermarkt nehmen können. In dem alle zufällig mal vorbei laufen und sich im Süßigkeitenregal aus Versehen anrempeln. Im Ernst!
Ich hatte mir mehr Kontakt gewünscht. Zwar gibt es viele Kontaktpunkte, aber die sind teilweise sehr konstruiert. So konstruiert dass man sich denkt: SO klein kann die Stadt ja gar nicht sein. Ich hätte mir das gewünscht was der Klappentext erzählt: „Den Café als Mittelpunkt. Als Treffpunkt. Ein miteinander reden zwischen den Frauen. Nicht nur über drei Ecken bekannt sein. Oder weil man aus Versehen den Mann der einen flachgelegt hat.

Die Charaktere geben sich größte Mühe immer unsympathischer zu werden. Selbst die eine, die ich wirklich mochte entwickelt sich in ihrem letzten Abschnitt zu einer wirklich grausigen Person und damit stirbt das Buch dann auch so vor sich hin.

Mit jedem Leseabschnitt (Wir erinnern uns.. ich habe es im Rahmen der Lesechallenge bei Lovelybooks gelesen) wurde meine Bewertung schlechter. Es war am Ende ein „müssen“ kein „wollen“… und ich finde es schade. Denn das Buch hatte echt Potenzial. Die Geschichte hatte Potenzial.

Ich mag Episodengeschichten.

Aber die Abschnitte sind hier zu lang, die Reihenfolge ist leider keine Reihenfolge, manche Charaktere werden viel mehr ins Zentrum gelegt als andere und die Zeitsprünge die es gegen Ende gibt sind auch irgendwie merkwürdig.

Ich mag Schicksal. Zufälle. Zufällige Begegnungen.

Aber nicht so gehäuft. Nicht so konstruiert. Nicht so überflüssig.
Es ist zu keinem Zeitpunkt der Geschichte relevant, dass der Anwalt von Hervörs Chef der Ex-Freund von Mía ist. Ist es einfach nicht. Wird es auch nicht.
Es ist total unwichtig, dass man davon ausgehen kann, dass der Sanitäter Gunnar der Mitbewohner von Liam ist. Aber man muss es ja mal erwähnen. Und so Sachen gibt es leider sehr häufig.
Da ist es schon schöner, dass der alte Mann zufällig derjenige ist, der am Anfang mal am Rande erwähnt wurde… weniger kryptisch würde Spoilern und weil es am Ende des Buches ist, wäre das jetzt arg blöd. 😉 Das ist ein Zufall der passt. Aber viele andere sind konstruiert.

Ich bin enttäuscht. Leider. Und ich werde das Buch sicherlich zu keinem Zeitpunkt noch mal lesen wollen. Ich bin aber dankbar für die Erfahrung der Lesechallenge.

Mein Highlight? Die Erwähnung von Eyjafjallajökull. Dem Vulkan. Denn der spielte bei „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ eine entscheidende Rolle und der Film hat mir gut gefallen. 😉

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

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Uff… es tut nicht weh es mal zu lesen. Mit einer anderen Erwartung geht es vielleicht sogar ganz gut. Mich hat „gehört zum Besten“ ein wenig irritiert. 

 

 

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