Meine erste Leserunde. Weil ich in den letzten Tagen im Rahmen der Runde einiges geschrieben habe, werde ich das teilweise auch nur zusammen suchen und nicht gänzlich neu schreiben. ^^ 

Autor: Judith Arendt 2014-01-18 14.36.34
Titel: Unschuldslamm
Reihe: Schöffin Ruth Holländer – Band 1
Genre: Krimi
Seitenzahl: 320 Seiten
Lesegeschwindigkeit: Inhaliert.

Das Buch ist bei Ullstein erschienen und kann hier erworben werden. 

Cover: Schon beim Buch aus dem Umschlag fummeln fiel mir mein persönliches Highlight sofort auf. Mir gefällt es nämlich sehr, wenn die Schrift hervorgehoben ist und eben dies ist bei der Autorin und dem Titel der Fall. Sowohl auf dem Cover als auch auf dem Buchrücken. Auch die Farbgebung gefällt mir sehr gut und vermittelt mit dem Haus zusammen eine angemessen düstere Atmosphäre. Insgesamt finde ich das Cover wirklich sehr angenehm und es wäre definitiv ein Buch bei dem ich im Laden innehalten und reinlesen würde.

Einen kleinen Minuspunkt habe ich aber auch. Wie UserX hier schon sagte: Das „Der erste Fall für Schöffin Ruth Holländer“ ist irgendwie fehl am Platz und in meinen Augen auch unnötig.

Der fade Beigeschmack beim Betrachten des Covers? 
Ich habe einen riesigen Knick quer über das Deckblatt. Das Buch steht quasi von Anfang an offen und auch mindestens zwei Ecken sind angeschlagen. 

Der Klappentext:
Eine Schöffin auf Spurensuche – Ruth Holländers erster Mordfall

Als Ruth Holländer zur Schöffin berufen wird, wollte sie sich gerade entspannt zurücklehnen: Die Scheidung ist durch, ihr französisches Bistro rechnet sich endlich, und die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Aber der anfängliche Unwille verfliegt schnell, bereits ihr erster Tag als Laienrichterin ist spektakulär: Es geht um einen Mord! Ein junger Mann soll seine Schwester getötet haben, weil diese mit dem falschen Jungen zusammen war. Der Verdacht eines „Ehrenmords“ liegt nahe. Doch Ruth ist skeptisch, der Angeklagte wirkt unschuldig. Ist die Familie der Toten wirklich so religiös? Oder hat Eifersucht eine Rolle gespielt? Ruth stürzt sich mit psychologischen Gespür in den Fall, der ihr keine Ruhe mehr lässt.

Erster Eindruck nach 50 Seiten:
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Es beginnt nicht in der Gegenwart, sondern bei einer Handlung vor der Tat, bei Derya – dem späteren Opfer – selbst. Die Protagonistin Ruth finde ich vom ersten „Snooze“ an sympathisch. Also quasi von ihrer ersten Erwähnung an. Liegt vielleicht auch daran, dass sie an diesem Morgen genauso verpeilt ist wie ich. Generell erscheint sie mir bis hierher wesentlich jünger als sie sein sollte, aber das ist vielleicht auch dem 50 = alt Vorurteil geschuldet. 😉 An meiner Sympathie zu ihr ändert sich jedenfalls den ganzen Abschnitt lang nichts. Ich mag sie sehr gerne. 

Zunächst war ich genervt, dass man über das Schöffen-Sein so gar nichts erfährt, aber wenn Ruth selbst so ins kalte Wasser geworfen wird – und sich selbst nicht vorbereitet – ist es klar, dass man uns auch nichts erzählen kann. 

Es las sich wie gesagt von Anfang an sehr gut, doch dann gab es kurz vor Seite 50 die erste Rückblende. Mit Rückblenden hatte ich nicht gerechnet und sie gefallen mir sehr. Ich bin ein Fan von Büchern die nicht in gerader Linie erzählt werden und umso erfreuter war ich als es dann plötzlich den ersten Sprung zurück gab. 

Irritiert hat mich, dass es bereits vor Seite 50 so viele Menschen gibt die ich jetzt schon scheiße finde. *hust* Sonst fokussiert sich meine Abneigung meistens auf eine Person. Hier konnte ich mich gar nicht entscheiden. Staatsanwalt? Alter Richter? Schöffen-Kollege? Doch dann kam die Mutter von Derjas Freund.. und die toppte erst mal alles. Orr! 

Inhalt:
Wie gesagt beginnt das Buch vor der aktuellen Handlung. Was für mich am Anfang wie ein Prolog aussieht, entpuppt sich später als die erste Rückblende. Die Geschichte springt immer von Ruth (ab November) zurück in den Sommer, in dem Derya noch lebte und dann ermordet wurde.

Das Buch behandelt sowohl den Fall und dessen Gerichtsverhandlung, als auch einen Großteil von Ruths Privatleben. Nicht alles davon ist für diesen Fall relevant, aber es liefert sämtliche Informationen die man bei einer Serie – und das soll es ja werden – so benötigt. Abgesehen davon ist Ruth ja sehr sympathisch. ^^

Es springt nicht nur die Zeitstruktur, sondern auch die Erzählperspektive. Man begleitet nicht nur Ruth, sondern auch mal Derya, ihren Freund oder eine Verwandte von ihr. Dabei wird nicht einfach nur „erzählt“, es werden auch Polizeiprotokolle, Zeitungsartikel und Zeugenbefragungen eingefügt, die das ganze noch mal ein wenig auflockern.

Die einzelnen Kapitel beginnen mit einer ungefähren Zeitangabe und einer genauen Ortsangabe. Das hat mich dann dazu gebracht irgendwann mal alle Straßen bei Maps einzugeben und mir einen Überblick zu verschaffen. Der Großteil des Buches spielt nämlich in Berlin und ich mag Berlin. 😉

Da es sich bei dem Fall um einen Ehrenmord handeln soll, bekommt man auch aus mehreren Perspektiven Einblick in die Gefüge der kurdischen Familie, erfährt etwas über die Hintergründe von „Zwangsheirat“ oder auch warum Sergul (die oben erwähnte Verwandte) so westlich leben darf.

Zitat:
„Die Angst fiel von ihr ab, und Derya wusste, dass sie gleich in Sicherheit und bald zu Hause sein würde. Da fasste ihr von hinten jemand an die Schulter. Derya drehte sich um und war überrascht.“ (S. 51)

Fazit:
Mich begeistert das Buch. Ich habe es innerhalb von 48 Stunden gelesen und habe es nur aus der Hand gelegt wenn ich unbedingt musste. War ich nicht alleine hab ich mich darauf gefreut auf dem Rückweg wieder lesen zu können. Für mich gänzlich untypisch hab ich auch am Schreibtisch gelesen, während irgendetwas geladen hat oder ähnliches. Bloß keine Sekunde vergeuden.

Ich mag Ruth und ihren Umgang mit dem Fall, mit ihrer Familie und generell wie sie so lebt. Sie ist durch und durch sympathisch und an ihr gibt es nichts was mich irgendwie stört.

Die Rückblenden begeistern mich hier besonders, weil sie so treffsicher gesetzt sind. Nachdem ich kürzlich ja ein Buch lesen „durfte“ welches mich nicht so begeistert hat und wo es auch Rückblenden gab, bin ich hier einfach noch mal extra beeindruckt davon wie gut sie gesetzt sind. Immer an der richtigen Stelle um die Spannung zu erhöhen. Immer wenn es gerade den Verdacht auf eine bestimmte Person gibt und dann die plötzliche Wende durch die Rückblende.

Die Thematik ist wichtig und es ist wirklich mutig – wie jemand anderes in der Leserunde auch sagte – dass man daraus einen Roman macht. An vielen Stellen hat es mich wütend gemacht, was aber dem Thema geschuldet ist und sicherlich nicht am Buch lag. 

Manche Sachen haben für ich irgendwie keinen Sinn oder Platz. So zum Beispiel Ruths Ex-Mann oder im weiteren Verlauf ihre Schwester. Aber vermutlich werden die in der Fortsetzung noch wichtig sein (sagte die Autorin ;)) und dann ist es wieder ganz gut, dass sie erwähnt worden sind. Abgesehen davon können sie den guten Eindruck des Buches auch nicht schmälern.

Auch wenn das Ende jetzt nicht so überraschend war, sondern in meinen Augen eine logische Schlussfolgerung, so war der Weg zu diesem Ergebnis einfach unglaublich gut erzählt und spannend und das ohne absurde Wendung die einem die Haare zu Berge stehen lassen, weil da plötzlich eine Wendung hin muss.

Ich müsste schon sehr kleinlich werden, wenn ich jetzt hier einen Stern abziehen wollen würde.

Bewertung:  2013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.462013-12-09 19.31.46

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Leihen:
Ignorieren:

 Ja doch. Besorgt es euch. Es ist vermutlich nicht das was die meisten als Buch des Jahres bezeichnen wollen würden, aber es ist einfach tolle, spannende Unterhaltung.

 Ich danke Was liest du? für diese Leserunde und die Chance das Buch zu lesen. Ich bin definitiv angefixt und gespannt was da noch folgen wird.

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